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Antike Uhren des 19. und 20. Jahrhunderts
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Pendulenwerke
Das im 19. Jh. am häufigsten in französischen Kamin- und Tischuhren verbaute Uhrwerk ist das sogen. "Pariser Pendulenwerk". Das Uhrwerk in seiner klassischen Form besitzt zumeist runde Platinen aus Messing und ein 8- oder (seltener) 14-Tage Gehwerk mit Halbstundenschlag.
Im Verlauf der langen Produktionsgeschichte des 19. Jahrhunderts haben sich einige französische Hersteller einen Namen gemacht, zB. Fréderic Japy oder Samuel Marti, Garanten für erstklassig verarbeitete und hochpräzise Uhrwerke, die sich in allen Disziplinen mit mechanischen Werken der heutigen Produktion messen lassen können und in qualitativer Hinsicht unerreicht bleiben.
Das Pendulenwerk hat in seiner rund 90 Jahre währenden Produktionsgeschichte einige Wandlungen und Verbesserungen erfahren, gemeinsam blieb ihnen jedoch der durchweg sehr hohe Qualitätsanspruch, welcher sich nicht zuletzt in den vielen heute noch zuverlässig ihren Dienst verrichtenden Werken ausdrückt.
Typisch für die Werke der ersten Generation ist ein Schloßscheiben-Zählrad (u.rechts) für die Schalgauslösung, welches auf der Rückseite montiert war und über Kerben unterschiedlicher Größe die Schlagzahl regulierte. Ebenfalls besaßen diese Werke oftmals noch eine Fadenaufhängung für das Pendel, ein Seidenfaden, dessen Länge und damit die Ganggeschwindligkeit der Uhr über eine kleine Winde auf der Rückseite der Platine, seltener auch von vorne (s. Bild oben) reguliert werden konnte.

In der zweiten Hälfte des 19.Jh. wurden einige entscheidende Verbesserungen eingeführt, so zB. das Rechenschlagwerk, welches zu einer genauen Synchronisierung von Zeigerbewegung und Schlagmechanik beitrug. Daneben auch die von Achille Brocot entwickelte Stahlfederaufhängung mit Regulierungs-Mechanik, welche eine Feinjustage der Geschwindigkeit von vorne ermöglichte. Dies war insbesondere bei den schweren Marmoruhren von Vorteil, da diese für die Regulierung nicht mehr bewegt werden mussten.
Das Pariser Pendulenwerk erfreute sich großer Beliebtheit und eines -zurecht- hohen Ansehens, sodaß Nachahmungen geradezu unausweichlich waren.
So wurden zB. von einigen amerikanischen Herstellern wie der Ansonia Clock Co., Gilbert (Bild links) oder Seth Thomas in der Jugendstilzeit ebenfalls runde Vollpatinenwerke hergestellt und in optisch ähnlich anmutenden Kamin- oder Tischuhren verbaut. Auch diese Werke sind keinesfalls minderwertig, hinsichtlich ihrer Fertigungsqualität und Präzision jedoch deutlich unter dem Standard französicher Produktion anzusiedeln.

Das Quecksilberpendel
Die Französischen Glaspendulen der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts waren als Präzisionsuhren konzipiert und überwiegend mit einer Kompensation des Temperaturfehlers ausgestattet. Hierzu bedienten sich die Uhrmacher des schon im 18 Jh. von George Graham entwickelten Quecksilberpendels, welches die physikalische Reaktion von Quecksilber auf Temperaturveränderungen ausnutzte.
Das Quecksilberpendel der französischen Pendule setzt sich typischerweise aus zwei durch Stahstifte verbundenen Messingträgern und einer Pendelmasse aus zwei mit Quecksilber gefüllten Glasröhrchen zusammen.

Bei wärmebedingter Ausdehnung der Pendelstange, die zu einer -wenn auch geringen, so doch messbaren- Verlangsamung des Ganges führt, dehnt sich gleichsam das in den Glasröhrchen enthaltene Quecksilber aus, woduch der Pegel steigt und somit den Schwerpunkt der Pendelmasse nach oben verlagert. Die beiden physikalischen Prozesse können sich -bei korrekter Berechnung der Quecksilberfüllung- also kompensieren (daher der Terminus "Kompensationspendel"). Dieser Effekt führt zu einer Verbesserung der Ganggenauigkeit und erhöht zudem -als gestalterisches Element- die optische Wirkung dieser Uhren.
Aus letzterem Grund bedienten sich um die Jahrhundertwende auch Hersteller anderer Länder, u.a. in Deutschland und den USA, dieser Pendelformen, verwendeten jedoch statt der in ihrer Herstellung recht aufwendigen Quecksilberröhrchen nur Glaszylinder mit eingelegten Blechfolien oder Stahlzylindern. Diese "simulierten Quecksilberpendel" kommen zwar der Optik des Quecksilberpendels nahe, weisen aber keine Temperaturkompensation auf.
Quecksilberpendel werden gelegentlich kritisch betrachet, wegen der Giftigkeit des enthaltenen Schwermetalls. Dieser Einwand ist jedoch in der Praxis kaum von Bedeutung, da die Glastuben an beiden Enden absolut dicht verschmolzen und zudem durch die Einfassung im Pendelgehäuse recht stabil sind. Auch bestünde eine Gefährdung im Falle eines Bruches nur, wenn das freigesetzte metallische Quecksilber nicht umgehend beseitigt wird und über längere Zeiträume (die eigentlich gesundheitsgefährdenden) Quecksilberdämpfe in die Raumluft abgegeben werden.
Bei Wahrung der erforderlichen Sorgfalt, wie sie für alle empfindlichen Einrichtungsgegenstände geboten ist, stellt diese Technologie jedoch keine Gefahr dar.
Dennoch werden heute im Ersatzfall kaum noch echte Quecksilberfüllungen ergänzt, sondern die Ersatzfüllungen aus ungiftigen Festmetallen verwendet, so daß inzwischen auch zahlreiche Uhren mit simuliertem Quecksilberpendel in Umlauf sind. Hinsichtlich der Optik sind diese Lösungen akzeptabel bis gleichwertig, eine temperaturkompensierende Wirkung besteht aber natürlich nicht mehr.