| Antike
Uhren des 19. und 20. Jahrhunderts |
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Jahresuhren
Die
Entwicklung der Jahresuhren geht auf die zweite Hälfte
des 19. Jh. zurück, um die Wurzeln ihrer Erfindung,
die dem Feinmechaniker Johann
Anton Harder um die Zeit zwischen 1870 und 1877 zugeschrieben
wird, ranken sich zahlreiche Mythen.
Die Jahresuhr, auch Drehpendeluhr genannt, nutzt als Pendelmasse
nicht -wie bei den Pendulen- eine in der Vertikalen schwingende
Masse sondern ein Drehpendel, welches an einem Torsionsdraht
aufgehangen ist. Im Vergleich zu Pendeluhren schwingt
eine Jahrsuhr nur langsam, typischerweise mit 8, jeweils
etwa 270° beschreibenden Drehungen/Minute. Dadurch
ist der Energieaufwand zum Betrieb des Werkes gering und
es können Laufzeiten von ca. 1 Jahr (daher der Name
Jahresuhr, weil man diese nur einmal im Jahr, symbolischerweise
am Geburtstag des Besitzers oder anderen Jahrestagen aufziehen
musste) erreicht werden.
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Mechanische
Jahresuhren stehen in dem schlechten Ruf, gänzlich
ungenau zu arbeiten und mehr dem Anspruch einer optischen
Spielerei als jenem eines seriösen Zeitmessers gerecht
zu werden. Dies ist einerseits durch die geringe Taktung
bedingt (ca. 7-8 Drehungen in der Minute. Zum Vergleich:
Pendulen und Kleinuhren aus dieser Zeit basieren auf ca.
50-100 Schwingungen/Min, moderne Quarzuhren schwingen
mit 32.000 Takten/Sekunde). Daneben ist dies auch dem
Umstand geschuldet, dass Jahresuhren sehr empfindlich
auf Erschütterungen und Temperaturschwankungen reagieren
und zudem nicht so oft nachreguliert werden, wie eine
Uhr mit wöchentlichem Aufzug. Bei richtiger Aufstellung,
Justage und Wartung laufen mechanische Jahresuhren -angesichts
der genannten Beschränkungen- mit einer bemerkenswerten
Genauigkeit und können Ihrer Funktion durchaus gerecht
werden.
Das Hauptkontingent dieses um die Jahrhundertwende vor
allem in Europa und den USA sehr beliebten Uhrentyps wurde
in Deutschland produziert. Mindestens 11 bekannte Hersteller,
zB. Gustav Becker/Schlesien, Philip Hauck, Kienzle, Andeas
Huber, Claude Grivolas (Frankreich), Badische Uhrenfabrik(BUF)
oder die Jahresuhrenfabrik(JUF), haben sich zwischen 1900
und dem ersten Weltkrieg auf die Produktion dieses eingenwilligen
Uhrentyps spezialisiert und mehr oder weniger individuelle
Lösungen bei der optischen und mechanischen Gestaltung
und Ausstattung gefunden. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde
die Produktion der Jahresuhren weitgehend zurückgefahren
und auch die Qualität der Fertigung hat deutlich
abgenommen.
Heute gibt es nur noch wenige Hersteller mechanischer
Jahresuhren, deren Produkte nicht in Kitsch und Plastik
versinken. Der Grund hierfür dürfte vor allem
in den relativ hohen Anforderungen an die Justierung und
die generelle Sensibilität dieses Uhrentyps liegen,
welche der Alltagtstauglichkeit abträglich ist und
den Ansprüchen der breiten Masse kaum genügen
kann.
Unter Sammlern ist die Beliebtheit der frühen Jahresuhren
und die davon ausgehende Faszination in letzter Zeit jedoch
erheblich angestiegen und wird in Zukunft sicher noch
weiter gedeihen.
Unten sind einge um die Jahrhundertwende entstandene Vertreter
in der für Jahresuhren typischen Ausführung
abgebildet. Es handelt sich um reine Zeitwerke, d.h. ohne
Schlag oder andere Zusatzfunktionen, die alle noch mit
einem Scheibenpendel ausgestattet sind. Selten finden
sich auch Jahresuhren aus dieser Zeit mit weiteren Funktionen
wie zB. einem Schlagwerk oder einer Kalenderanzeige, der
Standard entspricht den unten abgebildeten Formen, die
-zum Schutz vor Staub und Luftbewegung- zumeist von einer
Glaskuppel bedeckt werden. Seltener sind Gehäuseformen,
die von Pendeluhren abgeleitet sind, darunter auch "Vierglasuhren"
und ähnliche.
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